AusZeit - Ist weniger manchmal mehr?

Kinder und Erwachsene verbringen immer mehr Zeit mit Handys, Tablets und Computern – auf Kosten von Lebenszeit und Lebensqualität. Doch digitale Medien ganz aus dem Alltag zu verbannen ist praktisch unmöglich. Wer Kinder und Jugendliche betreut, unterrichtet oder erzieht, steht vor der großen Herausforderung, digitale Medien sinnvoll in den Alltag und das Lernen zu integrieren, ohne die Nutzung ausufern zu lassen.

Doch was ist ein gesunder Umgang mit digitalen Medien – und wie können Kinder ihn erlernen? Um diese Fragen ging es bei „AusZeit – Ist weniger manchmal mehr?“, einer gemeinsamen Veranstaltung der F+U Unternehmensgruppe, des medhochzwei Verlags und der Auerbach-Stiftung am 14.11.2017 auf dem F+U Bildungscampus in Heidelberg.

AusZeit - drei Vorträge, drei Redner

In verschiedenen Vorträgen erhielten Pädagogen, Eltern und ErzieherInnen Informationen zum Mediennutzungsverhalten von Kindern sowie zu gesundheitlich-psychischen Risiken eines zu hohen digitalen Medienkonsums. Dabei boten die Referenten auch konkrete Handlungstipps zu einem gesunden und sicheren Umgang mit Smartphone & Co. Einen Einblick in die Veranstaltung gibt unser Video.


Intelligente Nutzung digitaler Medien?

Dr. Gerald Lembke, Professor für Digitale Medien und Medienmanagement an der DHBW Mannheim, beschäftigte sich in seinem Vortrag kritisch mit dem Einsatz neuer Medien im Unterricht.

Sein Schaubild verdeutlicht: nur ein kleiner Teil der digitalen Medien wird tatsächlich intelligent genutzt. Es fehlten pädagogische Konzepte und eine Evaluation des Lern­erfolges mit neuen Medien. Die digitale Transformation und digitale Bildung sind auch Thema des Blogs des bekannten Redners und Autors: gerald-lembke.de

Grafik bereitgestellt von Prof. Lembke

Alt genug für digitale Medien? Die „3/6/9/12-Regel“

Doch ab welchem Alter sollten Kinder überhaupt an digitale Medien herangeführt werden? In dieser Frage rät Lembke Eltern sich die „3/6/9/12-Regel“ zunutze machen:

  • kein Bildschirm unter 3 Jahren
  • keine eigene Spielekonsole vor dem 6. Lebensjahr
  • kein Smartphone vor dem 9. Lebensjahr
  • kein unkontrolliertes Internet vor 12. Lebensjahr

Hausaufgaben an – Smartphone aus

Tipps rund um die Nutzung digitaler Medien im privaten Bereich gab im Anschluss Dr. Christian Lüdke. „Ein zeitweises Handyverbot führt zu besseren Schulnoten und mehr Leistungsfähigkeit“, so der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut aus Essen.

Wenn Hausaufgaben gemacht werden müssen, sollte das Handy ausgeschaltet werden. Und anstelle der ewigen Handy-Spiele können es auch mal althergebrachte Spiele wie Stadt, Land, Fluss sein, die Eltern zusammen mit ihren Kindern spielen können.

"Digitale Medien – Ja sicher" – Pädagogische Konzepte bei F+U

2018 startet an der F+U das medienpädagogische Pilotprojekt "Digitale Medien - Ja, sicher!" für Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klassen des Heidelberger Privatschulcentrums HPC.

Das Projekt soll Kindern helfen, Sicherheit beim Suchen im Internet und im sinnvollen Umgang mit dem Tablet oder Smartphone zu erlangen. Zudem soll die Zusammen­arbeit und der Austausch zwischen Eltern, Kindern und Lehrenden beim Thema digitale Medien gefördert werden. Ein Startpunkt dafür sind die AusZeit-Veranstaltungen, die der Bildung aller dienen, die Kinder erziehen und betreuen.

Wir stellen das pädagogische Konzept der F+U vor

Constantin Metzger, Medienpädagoge und Lehrer am Heidelberger Privatschulzentrum erläutert die wichtigsten Fragen zu "Digitale Medien - Ja sicher"!

Worum geht es bei dem Pilotprojekt „Digitale Medien – ja, sicher“?

Das Projekt führen wir im Jahr 2018 an unserer Grundschule erstmalig durch und legt den Grundstein für zukünftige Projekte für sämtliche Schulstufen, für alle Lehrkräfte, Eltern und Lernenden an der F+U. Um die Qualität unserer Angebote zu gewährleisten, werden alle unsere Projekte von professionellen MedienpädagogInnen durchgeführt, fortlaufend evaluiert und im Austausch mit SchülerInnen, Lehrkräften und Eltern weiterentwickelt.

Wie unter­stützt F+U Schüler, Eltern & Lehrer bei der sinnvollen Nutzung digitaler Medien in Alltag und Unterricht?

Die F+U hat sich zum Ziel gesetzt, eine Medienakademie ins Leben zu rufen, die Medienbildung von ihren beiden Grundpfeilern her betrachtet: Das Lernen mit Medien und das Lernen über Medien.

Dazu gehört zunächst einmal die Bereitstellung einer technischen Infrastruktur und von Unterrichtsmedien wie Laptops, Tablets oder Dokumentenkameras. Uns liegt aber vor allem die Förderung der Medienkompetenzen unserer SchülerInnen und Lehrkräfte am Herzen. Neben dem sicheren Umgang und gezielten Einsatz der Medien zählen wir dazu auch das Reflektieren über Heraus­forderungen, die die Digitalisierung und die digitalen Medien selbst mit sich bringen. Unsere Lernenden und Lehrenden werden hierfür in unseren Fortbildungen, Workshops und durch unsere MedienpädagogInnen unter­stützt und gefördert.

 

Wie werden digitale Medien bei der F+U im Unterricht eingesetzt?

Digitale Medien werden im alltäglichen Unterricht an der F+U auf vielfältige Art und Weise eingesetzt. Sie dienen zum Beispiel dem Verfassen schriftlicher Arbeiten oder dem Erstellen von Präsentationen am Computer, aber auch als Basis für innovative Lehr- und Lernformen wie dem Flipped Classroom. Digitale Medien werden auch zur Förderung der Kreativität, etwa in Filmprojekten, eingesetzt und unterstützen die Organisation des Unterrichtsablaufs – zum Beispiel durch Lernplattformen oder unsere schuleigene App „myF+U“.

Digitale Medien ermöglichen uns außerdem eine stärkere Zusammen­arbeit mit Schulen weltweit und schaffen die Basis für eine individuelle und differenzierte Förderung unserer SchülerInnen, beispielsweise bei Lernschwierigkeiten oder fehlenden Sprachkenntnissen.

Zu guter Letzt stellen digitale Medien und deren gesellschaftliche Einflüsse in unserem Unterricht einen Ausgangspunkt für Diskussionen, Reflektionsprozesse und innovative Ideen dar.

 

Was beinhalten die medienpädagogischen Konzepte für Eltern, SchülerInnen und Lehrende?

Oftmals wird Digitalisierung an Schulen oder auch Medienbildung als die reine Bereitstellung digitaler Medien missverstanden. Schulen oder einzelne Klassenräume werden mit WLAN, Laptops oder Tablets ausgestattet, ohne dass passende Konzepte für Lehrkräfte, SchülerInnen und Eltern erstellt werden.

Wir an der F+U möchten genau diese Konzepte entwickeln. Medienbildung soll ein zentraler Bestandteil unserer Schulen werden. Unsere Workshops, Fortbildungen und Informationsveranstaltungen sind auf sämtliche Schulformen und Klassenstufen ausgelegt. Sie orientieren sich inhaltlich und didaktisch an den Vorgaben des Bildungsplans 2016 des Bundeslandes Baden-Württemberg und dem Strategiepapier der Kultusministerkonferenz 2016 („Bildung in der digitalen Welt“).

Diese Veranstaltungen sollen nicht nur den SchülerInnen, sondern auch den Lehrkräften und Eltern dienen. Daher bieten wir zusätzlich zu den Einheiten mit den Lernenden auch individuelle Trainingseinheiten für die Lehrkräfte an, um sie auf ihre Aufgaben im Bereich Medienbildung vorzubereiten, ihre eigenen Medienkompetenzen zu stärken und ihre Fragen oder Unsicherheiten zu klären.

Mit Informationsveranstaltungen, Elternabenden und einem intensiven Dialog beziehen wir auch die Eltern in unsere Arbeit mit ein, denn das Elternhaus spielt bei Fragen des Umgangs mit digitalen Medien eine außerordentlich wichtige Rolle. Unserer Auffassung nach kann Medienbildung an den Schulen nur dann funktionieren, wenn alle Parteien erfolgreich miteinander zusammenarbeiten.

 

Sie haben weitere Fragen zu unserem Konzept oder möchten mehr über unseren Umgang mit digitalen Medien in der Schule erfahren?
wir freuen uns von Ihnen zu hören - nehmen Sie jetzt kontakt zu uns auf! 

Das Handybett: Schlafenszeit für's Smartphone

Einen praktischen Helfer für Kinder und ihre Eltern bietet zudem die Auerbach Stiftung: das Handybett. Darin können Eltern gemeinsam mit ihren Kindern das Handy vor dem Abendessen schlafen legen.

Eltern können ihren Kindern damit zeigen, dass das Handy nicht rund um die Uhr eingeschaltet sein und benutzt werden muss – und gönnen sich eine gemeinsame Sendepause.

Übrigens: Das Smartphone mal zu Bett zu bringen, kann auch für Eltern eine wertvolle Erfahrung sein!

 

Der AusZeit-Kalender... Auch mal abschalten – mit Humor

Im Rahmen der Veranstaltung bekamen die Teil­nehmerInnen den Cartoonkalender „AusZeit… einfach mal abschalten!“ geschenkt, den die Auerbach Stiftung gemeinsam mit dem medhochzwei Verlag entwickelt hat.

Darin geben Prof. Dr. Gerald Lembke und Dr. Christian Lüdke Tipps für den gesunden Umgang mit Smartphone, Tablet & Co. – mit viel Humor und ohne erhobenen Zeigefinger.

Der Kalender kann versandkostenfrei im Onlineshop des medhochzwei Verlags bestellt werden.